Infektion des Ungeborenen

Die Übertragung des Cytomegalovirus auf das ungeborene Kind geschieht in der Regel im Rahmen einer Erstinfektion der Schwangeren. Die Wahrscheinlichkeit einer solchen Erstinfektion liegt bei etwa einem Prozent. Ist die werdende Mutter infiziert, kann sie das Virus mit 40-prozentiger Wahrscheinlichkeit auf das ungeborene Kind übertragen. Auch für Mütter, die bereits Kontakt mit dem Virus hatten, besteht die Möglichkeit, sich erneut anzustecken. Die Wahrscheinlichkeit für diese sogenannte Zweitinfektion liegt ebenfalls bei circa einem Prozent. Allerdings besteht hier nur ein geringes Risiko von circa einem Prozent, dass es zu einer Übertragung auf das Kind kommt.

Ausgehend von einer Geburtenrate von cica 735.000 Lebendgeburten pro Jahr in Deutschland erkranken etwa 3.675 Kinder an einer konnatalen Cytomegalie. Zehn Prozent der infizierten Kinder zeigen Symptome. Eine CMV-Infektion des Ungeborenen kann eine schwerwiegende Schädigung zur Folge haben. Sie wirkt sich auf Gehirn und Nerven, Augen, auf Leber und Lungen sowie die blutbildenden Organe aus. Ob eine Infektion des Ungeborenen besteht und ob dadurch eine Schädigung erfolgt ist, kann eine Fruchtwasser- oder Ultraschalluntersuchung ab der 20. Schwangerschaftswoche zeigen. Häufig wird eine Infektion jedoch erst nach der Geburt erkannt, wenn die ersten Krankheitszeichen wie Einblutungen in die Haut, eine Vergrößerung der Leber oder nach Wochen und Monaten Hörstörungen aufgetreten sind.

Vorbeugung einer Virusübertragung und Behandlung

Eine Infektion mit dem Cytomegalovirus ist für die Schwangere selbst in der Regel ungefährlich, da ihr abwehrbereites Immunsystem gut mit dem Virus umgehen kann. Im Falle einer Erstinfektion der Schwangeren bedeutet jedoch dasselbe Virus für das Ungeborene eine ernstzunehmende Gefahr: Da sein unreifes Immunsystem noch keine Zeit hatte, sich im jahrelangen Umgang mit Erregern zu trainieren und zu stärken, kann das Virus bei ihm schwere Schäden verursachen. Deshalb kommen der Vorbeugung und der Therapie der konnatalen Cytomegalie eine besondere Bedeutung zu.


Antikörpergabe (gegen das Virus) während der Schwangerschaft

Eine neue Behandlungsmöglichkeit von Erstinfektionen mit dem Cytomegalovirus in der Schwangerschaft ist die Gabe von Hyperimmunglobulinen. Das sind spezifische Antikörper, die gegen Bestandteile der Virushülle gerichtet sind und so an freie Cytomegaloviren binden. Damit können sie eine Ausbreitung der Infektion verhindern.

Jüngste wissenschaftliche Untersuchungen und verschiedene Einzelfallbeschreibungen zeigen ermutigende Behandlungserfolge. Demnach können Hyperimmunglobuline die Wahrscheinlichkeit verringern, dass die Cytomegalieinfektion auf das ungeborene Kind übergreift und zu einer schweren Erkrankung des Neugeborenen führt. Nach allem, was man bisher weiß, sind Hyperimmunglobuline auch während der Schwangerschaft gut verträglich.

Hyperimmunglobuline sind bisher noch nicht zur Vorbeugung oder Behandlung der Cytomegalieinfektion des Ungeborenen zugelassen, können aber unter bestimmten Bedingungen dafür verordnet werden (sogenannter "Off-Label-Use"). Gegebenenfalls erkundigen Sie sich dazu bitte bei Ihrem behandelnden Arzt. Zurzeit werden CMV-Hyperimmunglobuline zur Therapie erstinfizierter Schwangerer in einer großen Zulassungsstudie untersucht. Sie soll herausfinden, ob diese Therapie als Regelbehandlung die Schäden bei konnatalen CMV-Infektionen reduzieren kann.